Ulm kann das schaffen!

CO2-Ausstoss um 60% reduzieren

Zur Illustration der lokalen Situation und der notwendigen Maßnahmen stellen wir eine grobe Modellrechnung vor, wie sich der CO2-Ausstoß der einzelnen Sektoren entwickeln muss, um innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine deutliche Reduktion und weiter die vollständige Klimaneutralität zu erreichen.
Damit kann verdeutlicht werden, in welchen Bereichen wirkungsvolle  Regelungen und Maßnahmen durch die lokal verantwortlichen Politiker und Entscheidungsträger angestoßen werden müssen, um die auf Landes- und Bundesebene vorgegebenen Ziele zu unterstützen.

Ziele erreichen

Ausgehend vom aktuellen Stand betrachten wir daher im Folgenden ein Beispielszenario, in dem der CO2—Ausstoß um ca. 2/3 reduziert wird. Ob dieses Zwischenziel im Jahr 2030 oder erst einige Jahre später erreicht werden kann, soll zunächst offengelassen werden. Es kann jedoch als gesichert gelten, dass der Zeitpunkt deutlich vor 2040 liegen muss, um die drohende extreme Klimaveränderung abzuschwächen. Weiterhin besteht die Hoffnung, dass die in diesem Szenario noch offene Lücke zur Klimaneutralität mit weiteren – sowohl technologischen als auch durch Verhaltensänderungen bewirkte – Verbesserungen geschlossen werden kann. Umgekehrt wird das Problem unüberwindbar, wenn bereits die Ziele dieser ersten Stufe weit verfehlt werden.

Zwar sind die  Daten zur aktuellen Situation aus dem Jahr 2016 veraltet, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sich in den letzten 5 Jahren keine wesentliche Verbesserung ergeben hat, da wirkungsvolle Maßnahmen weder bundesweit noch in Ulm umgesetzt werden. 

Bei der Energiebilanz gehen wir daher davon aus, dass die Zahlen auch für das Jahr 2021 gelten. Wir nehmen sie als Ausgangspunkt, um mit einigen plausiblen Annahmen und Vorgabewerten darzustellen, wie sich die Werte von Energieverbrauch und CO2-Ausstoss in den einzelnen Sektoren in einem Zeitraum von ca. 10 Jahren entwickeln können.

Es wird dabei darauf geachtet, dass diese Randbedingungen im Großen und Ganzen verträglich mit den derzeit diskutierten und teilweise bereits festgelegten Vorgaben der „großen“ Politik sind.

Wichtigste Veränderungen

Strom

Erhöhung des Anteils von erneuerbaren Energien von ca. 45 auf > 80% bis 2030 (Vorgabe Bundesregierung)

Reduktion CO2-Footprint auf 20%

Fertigungs-Prozesse

Umstellung von thermischen Prozessen in Industrie und Handwerk auf H2-Quellen aus grüner Stromerzeugung: Vorgaben für Reduktion: Heizöl: -65%, Erdgas: -50%

Reduktion CO2-Footprint auf 45%

Verkehr

Verdrängung von Verbrennungsmotoren im PKW-Bereich durch reine E-Autos. Vorgaben für Reduktion: ca. 40% des fossilen Gesamtflottenverbrauchs (Aktuelle Planung der Bundesregierung: 15 Mio. E-Autos bis 2030 bei aktuellem PKW-Bestand Deutschland von 48 Mio). Aufgrund des hohen Beitrags des MIV ist für eine Reduktion der Gesamtbelastung im Bereich von 50% ein wesentlich aggressiveres Ziel bei der Reduktion der fossilen Fahrzeugflotte erforderlich als von der Bundesregierung geplant. Selbst mit unserer Annahme einer Reduzierung des Kraftstoffbedarfs um 40% bleibt der Beitrag des Verkehrssektors immer noch weit hinter den anderen Sektoren zurück.

Reduktion CO2-Footprint auf 55%

Gebäude / Wärmeerzeugung

Weitgehende Verdrängung von Heizöl und Erdgas als Wärmequelle durch Verbote für Neubau, Ersetzung durch Wärmepumpen. Hohe Modernisierungsrate im Gebäudebereich mit Einsatz von effektiver Dämmung und nachhaltigen Heizsystemen, leichte Erhöhung Fernwärmeanteil. Vorgaben für Reduktion: Gesamtenergieverbrauch -20%, Heizöleinsatz -80%, Erdgas -50%,

Reduktion CO2-Footprint auf ~ 80%

Darstellung der Ergebnisse

Zur Darstellung stellen wir den Werten aus dem Klimaschutzbericht  („2016“) die Werte unseres Szenarios für jeden Sektor in einer zweiten Säule gegenüber („203x“):

 
Die Zahlenwerte der grauen Pfeile zeigen jeweils die Veränderung  des entsprechenden Sektors bei Energie und CO2-Ausstoss an.

Wie im Diagramm links zu erkennen, hat sich der gesamte Energieeinsatz nur unwesentlich verringert. Am wichtigsten ist die starke Verschiebung von fossilen Energieträgern zu Strom in allen Sektoren. Da dieser gemäß der Vorgaben zu mind. 80% regenerativ erzeugt werden soll, ergibt sich dadurch der geforderte Effekt einer starken Verringerung der CO2-Ausstosses, der im rechten Diagramm sichtbar wird.

Insgesamt kann mit den für die einzelnen Sektoren gewählten Reduktionswerten eine Veringerung des CO2-Ausstosses von knapp 60% erreicht werden.

Hält man sich die oben genannten Forderungen an die einzelnen Segmente vor Augen, sind dafür bereits sehr einschneidende Veränderungen notwendig, die jedoch so umgesetzt werden können, dass niemand wesentliche Einschränkungen in seiner Lebensqualtität befürchten muss. Andererseits ist die erreichte Reduktion nur ein Zwischenziel und die Beispielrechnung macht klar, dass es z.B. bei der langfristigen Steuerung der Mobilität deshalb kein „Weiter-so“ geben darf. Erweiterungen des Verkehrssystems sind nur dort akzeptabel, wo sie den Autoverkehrs nicht attraktiver machen. Daher darf es z.B. keine neuen Parkhäuser und Straßenbauprojekte mehr geben, vielmehr muss bei jeder Verkehrsentscheidung darauf geachtet werden, integrierte öffentliche Verkehrssysteme zu bevorzugen.